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Russlanddeutsche von Stephan Nuding „In Russland waren wir „Die Deutschen“ und hier sind wir „Die Russen“.” Mit diesen wenigen Worten, die man immer wieder von Russlanddeutschen zu hören bekommt, ist eigentlich die ganze Problematik dieser Volksgruppe umrissen. Sicherlich ließe sich trefflich darüber streiten, ob die Nachfahren jener deutschen Auswanderer, die vor annähernd 250 Jahren die Heimat verließen, weil sie sich in Russland eine bessere Zukunft erhofften, überhaupt ein Anrecht darauf haben nach Deutschland zurückkehren zu dürfen. Fest steht, dass sich die Russlanddeutschen, im Gegensatz zu anderen Auswanderern, die sich rasch in ihren Gastländern assimilierten, über Generationen hinweg ihre deutsche Sprache und Kultur erhalten haben. Erst die brutale Vernichtungspolitik des kommunistischen Massenmörders Stalin vernichtete die Russlanddeutschen als homogene Volksgruppe. Jenen kläglichen Resten, die Vertreibung und Deportation, Zwangsarbeit, GULAG und Hinrichtungswellen überlebten, wurde jede Möglichkeit, ihr Deutschtum zu bewahren, genommen. Die Pflege von Sprache, Religion und Kultur waren schlichtweg verboten und wurden nahezu unmöglich gemacht. Wenn man diese historischen Tatsachen bedenkt, dann sollte man den Russlanddeutschen zumindest die Toleranz und den Respekt entgegenbringen, die in der Bundesrepublik anderen ethnischen Minderheiten gezollt wird. Zweifelsfrei entspricht es der Wahrheit, dass die meisten Russlanddeutschen, die in das Land ihrer Vorfahren zurückkehren, weniger vom Heimweh als von den wirtschaftlichen Vorteilen getrieben sind, die sich ihnen hier bieten. Aber all diese Betrachtungen bringen uns nicht weiter. Die Russlanddeutschen sind nun einmal hier und es werden wohl noch mehr kommen, ob dies dem Einzelnen nun gefällt oder nicht. Die Spätaussiedler haben eine andere Mentalität und Lebenseinstellung, als der deutschstämmige „Durchschnittsbundesrepublikaner“. Sie sind der deutschen Sprache zumeist nur schlecht oder gar nicht mächtig und kommen oftmals mit völlig falschen Traum- und Wunschvorstellungen über ihre wirtschaftlichen und beruflichen Möglichkeiten nach Deutschland. Stellen Sie dann fest, dass sie nicht im „Schlaraffenland“ gelandet sind und dass hier niemand auf sie gewartet hat, entsteht all zu oft eine große Frustration, die sich gerade bei jungen Männern durch Alkohol- und Drogenmissbrauch, Gewaltausbrüche und Kriminalität äußert. Ich selbst bin mit einer Ukrainerin verheiratet, habe laufend beruflich und privat mit Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion zu tun und bin seit Jahren in Integrationsprogrammen für Russlanddeutsche tätig. Es kann mir also niemand vorwerfen, dass ich nicht weiß, worüber ich spreche oder schreibe: Ich bin im Laufe der Jahre zu der Überzeugung gekommen, dass die meisten Russlanddeutschen weder bessere noch schlechtere Menschen sind als wir, die wir in Deutschland geboren wurden. Sie sind anders als wir! Das zu begreifen und zu akzeptieren, ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration, deren erste Voraussetzungen natürlich das Erlernen der deutschen Sprache, die Respektierung und Annahme der deutschen Leitkultur und die Bereitschaft zur Arbeit sind. Integrationsprogramme, die in übertriebener Art und Weise auf die Besonderheiten und die Befindlichkeiten der Russlanddeutschen Rücksicht nehmen, die überall helfen aber keine Anleitung zur Selbsthilfe geben, die die Eigeninitiative nicht fördern und fordern, sondern diese Menschen zu einer Gesellschaftsgruppe verkommen lassen, die sich auf die Verwaltung und Wohlfahrt des Staates verlässt, sind völlig unangebracht. Vielmehr bedarf es einer Politik und eines gesellschaftlichen Konsenses, die dem Einzelnen verdeutlichten, dass er mit Fleiß und Anstrengung in Deutschland viel für sich und für seine Familie erreichen kann; dass nur dem Tüchtigen Hilfe zuteil wird. Hier gilt es Überzeugungsarbeit zu leisten und die notwendigen Hilfestellungen anzubieten. Jedes mehr wäre ein zuviel! |
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